Messsucherkamera: Entfernungsmesser richtig justieren

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Messsucherkameras gehören zu den elegantesten Werkzeugen der Fotografie. Ihre kompakte Bauweise, das direkte Sucherbild und die präzise Fokussierung machen sie zu treuen Begleitern für anspruchsvolle Fotografen. Doch was tun, wenn der Entfernungsmesser nicht mehr exakt arbeitet und die Bilder trotz sorgfältiger Fokussierung unscharf werden? In diesem Artikel zeigen wir Ihnen, wie Sie den Messsucher Ihrer Kamera wieder justieren können.

Woran erkennt man einen dejustierten Messsucher?

Bevor Sie mit der Justierung beginnen, sollten Sie sicherstellen, dass tatsächlich der Messsucher das Problem ist. Typische Anzeichen für eine fehlerhafte Justierung sind: Das Doppelbild im Sucher lässt sich nicht mehr exakt zur Deckung bringen, oder die Bilder sind trotz scheinbar korrekter Fokussierung unscharf – besonders bei offener Blende. Auch wenn die Schärfe systematisch vor oder hinter dem anvisierten Motiv liegt, deutet dies auf einen verstimmten Entfernungsmesser hin.

Ein einfacher Test hilft bei der Diagnose: Fotografieren Sie ein kontrastreiches, flaches Motiv wie eine Zeitungsseite an einer Wand aus verschiedenen Entfernungen bei offener Blende. Entwickeln Sie die Bilder und prüfen Sie, ob die Schärfe dort liegt, wo Sie fokussiert haben. Weicht die Schärfeebene systematisch ab, ist eine Justierung notwendig.

Vorbereitung und Werkzeug

Für die Justierung des Entfernungsmessers benötigen Sie ein ruhiges Arbeitsumfeld mit guter Beleuchtung. An Werkzeug sollten Sie bereithalten: feine Schraubendreher (meist Schlitz oder Kreuzschlitz), eine Lupe oder Lupenbrille, ein Mikrofasertuch und eventuell eine Taschenlampe. Besonders wichtig ist ein Testobjekt in genau bekannter Entfernung – etwa ein Millimeterpapier an einer Wand in zwei bis drei Metern Abstand.

Legen Sie sich außerdem die Bedienungsanleitung Ihrer Kamera bereit, falls vorhanden. Viele Hersteller wie Leica, Voigtländer oder Zeiss Ikon haben unterschiedliche Justiersysteme, die spezifische Vorgehensweisen erfordern.

„Ein präzise justierter Messsucher ist das Herzstück jeder Messsucherkamera – er macht den Unterschied zwischen Treffer und Ausschuss bei offener Blende.“

Die Justierung Schritt für Schritt

Die meisten Messsucherkameras verfügen über Justierschrauben, die von außen zugänglich sind. Diese befinden sich häufig an der Rückseite des Kameragehäuses, manchmal unter einer kleinen Abdeckung. Bei Leica M-Kameras beispielsweise finden sich drei Madenschrauben, die für die Justierung verantwortlich sind.

Beginnen Sie damit, die Kamera auf ein Stativ zu montieren und auf Ihr Testobjekt auszurichten. Stellen Sie die Entfernung im Messsucher scharf, indem Sie das Doppelbild zur Deckung bringen. Fotografieren Sie nun eine Testaufnahme bei offener Blende. Nach der Entwicklung zeigt sich, ob die Schärfe stimmt oder ob eine Korrektur nötig ist.

Liegt die Schärfe hinter dem Motiv (Rückfokus), müssen Sie den Messsucher „kürzer“ einstellen. Liegt sie davor (Frontfokus), ist eine „längere“ Einstellung erforderlich. Die Justierschrauben werden dabei nur in winzigen Schritten – etwa eine Achtelumdrehung – verstellt. Nach jeder Änderung wiederholen Sie den Test, bis die Schärfe exakt auf dem fokussierten Punkt liegt.

Wichtige Tipps für die Justierung

  • Geduld bewahren: Justieren Sie in kleinsten Schritten und testen Sie nach jeder Änderung. Überstürzte Korrekturen verschlimmern das Problem meist.
  • Mehrere Entfernungen prüfen: Testen Sie die Justierung bei verschiedenen Fokussierentfernungen, von Nahbereich bis Unendlich.
  • Verschiedene Objektive verwenden: Falls Sie mehrere Objektive besitzen, prüfen Sie die Justierung mit jedem einzelnen, da Abweichungen auftreten können.
  • Dokumentation anlegen: Notieren Sie sich die Position der Justierschrauben vor Beginn, damit Sie zur Ausgangsposition zurückkehren können.
  • Sauberkeit wahren: Achten Sie darauf, dass keine Staubpartikel in den Messsucher gelangen, wenn Sie Abdeckungen öffnen.

Wann sollte man zum Fachmann?

Nicht jede Dejustierung lässt sich selbst beheben. Wenn das Messsucherfenster beschlagen ist, die Optik stark verschmutzt erscheint oder mechanische Defekte vorliegen, ist der Gang zum spezialisierten Kameratechniker unumgänglich. Auch wenn Sie sich die Justierung nicht zutrauen oder es sich um eine besonders wertvolle Kamera handelt, ist professionelle Hilfe die bessere Wahl.

Erfahrene Kameratechniker verfügen über spezielle Messgeräte und Kollimatoren, mit denen sie die Justierung auf den Hundertstelmillimeter genau durchführen können. Der Aufwand lohnt sich, denn ein perfekt eingestellter Messsucher ist die Grundlage für technisch einwandfreie Aufnahmen mit Ihrer analogen Kamera.

Mit etwas Übung und der nötigen Sorgfalt können Sie jedoch viele Justierungen selbst vornehmen und Ihrer Messsucherkamera zu neuer Präzision verhelfen. Die Freude über knackig scharfe Bilder bei offener Blende ist die Mühe allemal wert.

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